„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1. Kor. 16,14)

Eine alte Bekannte, die Jahreslosung für 2024. Gezählt habe ich nicht, aber es waren etliche Ansprachen, in denen ich Brautpaaren die Aufforderung des Apostels Paulus mitgegeben habe für ihren gemeinsamen Weg. Ob sie ihr Miteinander nach 20 Ehejahren noch immer daran ausrichten, weiß ich nicht, aber mindestens zu Beginn werden sie es getan haben.

Kein Wunder, wer sich mag oder gar liebt, hat kein Problem mit freundlichem Umgang. Dummerweise haben wir es allerdings recht oft mit Zeitgenossen zu tun, die sich gegenseitig nicht so doll leiden können. Zerstrittene Familien und verfeindete Nachbarn, hasserfülltes und unversöhnliches Gegenüber von Volksgruppen und Staaten. Die Ursachen liegen oft weit in der Vergangenheit und haben eine jahrzehntelange Geschichte des Nicht-miteinander- Könnens oder -Wollens. Absurd und banal erscheinen die Dinge zuweilen, manchmal kann ich sie immerhin nachvollziehen und verstehen – die Gründe beider Seiten.

Was kann man tun in völlig festgefahrenen Situationen? Ich habe mal gelesen: „Wenn du jemanden nicht besiegen kannst, dann umarme ihn!“ In Fachsprache nennt man so etwas „paradoxe Intervention“ – den anderen überraschen mit einer unerwartbaren Reaktion. So gesehen, besteht christliche Existenz aus einer ganzen Reihe von Handlungsmöglichkeiten, die sich der üblichen Logik bei Konflikten entziehen. Nichts mehr drauflegen, verschärfen und steigern, sondern seine Gegner so liebevoll betrachten, wie Gott selbst es tut. Und darauf setzen, dass der eigene Mut zum Musterbrecher wird.

Dirk Jäger, Vorstandsvorsitzender Diakonisches Werk Hittfeld u. Winsen/L.

Es gibt keine Garantie dafür, dass liebevolles Handeln auf Gegenliebe trifft und jeden Konflikt auflöst. Weder bei Paaren 20 Jahre nach der Hochzeit noch bei Völkern, die sich bis aufs Messer spinnefeind sind. Aber doch einige Erfolgsgeschichten, die neue Anfänge ermöglicht und Hoffnung auf guten Ausgang zurückgeholt haben.

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – im neuen Jahr möchte ich dieser Haltung in mir mehr Raum geben. Wenn Sie mitmachen, könnten wir zeigen, dass Christenmenschen überraschend mehr „drauf“ haben als manche erwarten.

Ein gesegnetes Jahr 2024 wünsche ich Ihnen, mit liebevollen Erfahrungen und ebensolchem Tun.

Dirk Jäger
Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes, Superintendent des Kirchenkreises Hittfeld, Stv. Regionalbischof